Nachbarschaft, ein Ding nicht ganz ohne Tücken Teil 3

Geiz ist geil! So müsste die Überschrift über Pauls Dasein lauten. Wir haben da einen Container für Gartenabfälle, der steht vor unserem Haus. Die riesige Mülltonne wird von drei Familien bezahlt, so ist es wohl logisch, dass nur die drei Zahler dort ihre Abfälle loswerden. Paul hatte von Anfang an verkündet, dass er da nicht mitmacht, die 40 Euro im Jahr sind ihm zuviel. Na ja, Paul muss sparen. Machen er und Gerlinde doch manchmal eine tolle Reise, so mit Dinner beim Käpten, er im Smoking und sie im Abendkleid. Kann man ja alles verstehen, nicht wahr!
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Nur irgendwo muss ja Paul auch seine Gartenabfälle loswerden, nur wie machte er das? Es dauerte ein Weilchen, aber dann hatten wir es rausbekommen. Die Lösung brachte Paul durch sein, für ihn, ungewöhnliches Verhalten. Wurde er doch von einem auf den anderen Tag der selbstlose, hilfsbereite Nachbar von Heiko. Da wunderten wir uns nicht schlecht, war Paul doch ein Egoist pur. War Paul zum Paulus geworden? Er fing an Teile von Heikos Rasen zu mähen, dessen Laub zu harken und machte aus Beider Abfall einen großen Haufen. Den tütete Paul dann in Plastiksäcke, die Gerlinde von Heiko holte. Ganz geschickt gaukelte er dann Heiko vor, dass er den Abfall gerecht geteilt hatte. Heiko scheint ein Träumer zu sein, er merkte nicht, dass er fast die ganzen Abfälle von Paul und seine eigenen in unseren Container brachte. Paul hatte sein Ziel erreicht, er ist sein Zeug auf unserer Dreier Kosten losgeworden. So wanderte übers Jahr alles, Hecken, Sträucher, Rasen und Blumenreste über Heiko zu uns in den Container.
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Irgendwann ging es nicht mehr, ich habe mit Heiko gesprochen. Selten habe ich eine so blauäugige Erklärung bekommen. "Paul hilft mir doch immer", meinte Heiko, "da musste ich mich doch erkenntlich zeigen". Na, mir ist die Luft weggeblieben, alles hätte ich erwartet, nur nicht solche weltfremde Erklärung. Da bittet Heiko die ganze Gemeinschaft für Paul zur Kasse und der hat sein Ziel erreicht, sparen auf andrer Kosten, fürs nächste Käpten Dinner in Smoking und Abendkleid.
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Heiko weiß nun Bescheid, die restlichen Mitglieder der Container AG wollen nicht weiter für Paul zahlen, die wollen Paul nun überhaupt nicht mehr. Heiko muss nun einen Weg finden, damit Paul ihn nicht mehr seinen Abfall unterjubelt. Ansonsten muss auch Heiko mit der Konsequenz leben, dass er seinen Schlüssel zum Container abgeben muss.

Bernd Wohlers,  Dezember 2008

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