Nachbarschaft, ein Ding nicht ganz ohne Tücken Teil 2

Wir bekamen Post von der Versicherung, Paul wollte über 600 Euro für seine uralte Plane haben. Hat er aber von denen nicht bekommen, wie schön, aber es war immer noch zuviel für das vergammelte Teil. Beim Lesen ist uns eingefallen, vor Jahren ist Paul gekommen und versicherte uns, dass der Sohn von Aribert mit einem Kieselstein ein Glaselement seiner Veranda zu Bruch geschmissen hatte. Damals hatten wir nicht lange überlegt, Aribert hatte es seiner Versicherung gemeldet. Paul hatte dafür so an die 500 DM kassiert. Nun haben wir Zweifel, gehen zu der Stelle, wo angeblich der Frevel geschah. Wir gucken uns bedäppert an. Von da, wo wir standen, war es für einen Jungen unmöglich das Dach zu treffen. Na, da hat Paul uns ganz schön vorgeführt.
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Eine Fuchsmutter ist tödlich verunglückt, ihre Jungen irrten umher. Einer kam zu einem anderen Nachbarn, hatte Hunger, war erschöpft, der alten Nachbarin ging es am Abend vorbei. Paul lief zur höchstmöglichen Form auf. Er gab keine Ruhe, er besorgte die Telefonnummer eines Jägers, irgendwann tauchte der auf. Es knallte, Paul guckte uns höhnisch an, wusste er doch, wie sehr uns diese Tötung betroffen machte. Kurz nach dem Knall, tauchte ein anderes Fuchskind auf, es zog in unsere Remise ein. Jeden Abend ging ich hin, mit Hundefutter und einem Schüsselchen Wasser. Paul wurde fast närrisch, konnte er doch nicht sehen was ich da jeden Abend machte und schlich am Zaun entlang. Jedenfalls das Füchschen überlebte. Irgendwann kam es nicht mehr, hatte wohl seine Verwandten getroffen.
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Wir haben Probleme, jede Menge Gartenabfälle, wohin damit. Unseren Nachbarn ringsherum geht es ebenso. Wir fanden eine Lösung, ein Container musste her. Heiko, eine weitere Nachbarin und wir schlossen uns zur AG Container zusammen. Paul wurde es auch angeboten, er wollte aber nicht, er habe eine bessere Lösung, sagte er. Er beschwatzte die alte Nachbarin seine Gartenabfälle heimlich in einem Wäldchen, das deren Freundin gehört, zu entsorgen. Hat wohl nicht funktioniert, Paul benutzt jetzt Laubsäcke der Gemeinde. Nur die paar Säcke, da geht nicht viel rein, wo lässt er den Rest?
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Jetzt wissen wir's. Wir konnten uns das Ganze life ansehen. Paul harkte die Blätter einer Weide zusammen. Die Weide steht genau auf der Grenze zwischen Paul und Heiko, der Blättersegen gehört jedem zur Hälfte. Paul, ganz raffiniert, legte einige seiner Säcke zur Schau hin, so dass Heiko annehmen musste, Paul wird seinen Anteil an Blättern dahinein verfrachten. Pustekuchen, nicht so Paul. Heiko war nicht zu sehen, in rasender Eile füllte Paul den ganzen Blättersegen in zwei von Heikos Säcken und schaffte sie zu diesem rüber. Dann sauste er los, füllte seine zwei Säcke mit anderem Laub. Heiko sah nur das Paul zwei Laubsäcke hatte und er auch. Paul hatte aus Heikos Sicht, wie ein guter Nachbar, gerecht geteilt. Wir sind verunsichert, wie sagen wir es Heiko. Wir müssen mit ihm sprechen, können wir es doch der Dritten unserer AG Container nicht zumuten, dass sie für Pauls Gartenabfälle mitbezahlt, wir wollen es ja auch nicht.
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Paul hat da so eine Müllecke. Wo? Natürlich an unserem Zaun, da sammelt er auch seine Küchenabfälle. Seit er das macht, haben wir Ratten. Ab und zu geht Paul mit einer Falle auf die Jagd. Heute auch, dass Jagdglück war ihm hold. In einer Hand die tote Ratte, in der anderen die Falle saust er im Geschwindschritt zu Heikos Mülltonne und versenkt dort den Nager. Nur warum in Heikos Tonne? Zu seiner ist es genau so weit. Es scheint ein Hobby von Paul zu sein, seinen Dreck bei den Nachbarn zu entsorgen.

Der erste Teil ist bei unseren Lesern gut angekommen. Paul hat für einige hundert Seitenaufrufe gesorgt. Vielleicht gibt es noch Stoff für einen weiteren Teil.

Inzwischen gibt es von Paul und Gerlinde einen dritten Teil.

Bernd Wohlers,  November 2008

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