Die Party begann um Mitternacht

Mitternacht. Kalt. Wir haben uns warm gesoffen, Ideen kommen auf. Die Bong macht die Runde. Bilder zucken durchs Hirn. Unsere Ideen werden plastischer. Es fängt an zu schneien. Wir sind den anderen im Haus zu laut. Mutter lässt die Party platzen. Wir müssen raus. Da, im Flur stehen Spraydosen, alle möglichen Farben. Wie ein Mann, wissen wir, es wird noch eine tolle Nacht. Durch die Schwärze der Nacht ziehen wir los. Wie die Apokalypse fallen wir vier in die verlassene Laubenkolonie ein. Sprayen satt, überall leere Hauswände. Es schneit heftiger, wir werden immer hektischer. Rasend schnell, leise zischend leeren sich die Dosen. An den Wänden leuchten unsere Tags, es werden immer mehr. Die, die Ahnung haben und uns kennen, sie werden vor Neid platzen und doch unseren Mut bewundern müssen. Da treffen wir auf einen offenen Schuppen, räumen ihn aus, schmeißen alles durch die Botanik. Einer stößt einen Spaten in ein aufgebocktes Boot. Alle Hemmungen fallen, jetzt fängt der Spaß erst richtig an.
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Wir haben jetzt eine Axt. Es kracht, Scheiben klirren, wir huschen durch dunkle Räume, stoßen gegen Möbelstücke. Wir sind Groß, nein die Größten, wer will uns stoppen? Weiter geht's, in der Nähe sehen wir schon den alten Fabrikschornstein, schemenhaft im grauenden Morgen. Vor den verlassenen Hallen, da stehen Autos, wir haben die Axt. Es klirrt und scheppert. Begeisterung überkommt uns, wir kloppen uns auf die Schultern, wir sind ganze Kerle. Wir ziehen weiter, immer wilder. Hinter uns, die bunte, bizarre Schneise der Verwüstung, sie wird schnell länger. Es schneit immer noch.
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Was wir nicht sehen, leise ohne Licht nähert sich ein Auto. Hält an, zwei Männer steigen aus, eingemummelt in grünen Jacken. Gehen durch den Schnee. Sie haben es nicht eilig, folgen einfach den Tapsen im Schnee.
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Wir sind müde, haben uns getrennt. Jeder strebt seinem Bau entgegen. Ich, der das hier schreibt, falle bald in mein Bett. Träume noch, von der tollen Nacht.
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Es klopft gegen die Tür, die Klingel scheppert durchs Haus, der Hund krakelt, alle werden wach. Mutter geht zur Tür. Vor der Tür, da stehen die beiden Männer, die in den grünen Jacken. Es schneit nicht mehr. Der Abdruck meiner Schuhprofile schlängelt sich den Weg entlang. Die beiden Männer sind ihnen gefolgt und nun wollen sie mich sprechen.

Bernd Wohlers  November 2008

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