Winterspaziergang in Woltersdorf

Ein Abenteuer, dass Niemand ohne Versicherung antreten sollte

"Strenger Winter belastet Gemeinden" so der Titel eines Artikels in der "MOZ" vom 10/11 Januar. Dazu fand ich am 21. Januar, in der gleichen Zeitung einen Leserbrief einer Leserin aus Wandlitz.

Zitat: Dass sich in Nebenstraßen kein Winterdienst verirrt, kann ich ja noch nachvollziehen, aber wenigsten auf stark befahrenen Straßen hätte man doch annehmen müssen, dass diese beräumt bzw. gestreut werden. Nichts von beiden ist geschehen. Weiter heißt es: Und selbst in Berlin waren nicht nur die Fußwege gefegt und gestreut. Am Abend wird dann in den Nachrichten gezeigt, dass sich allein in Brandenburg über 300 Unfälle ereignet haben. Tja warum wohl?

Wie läuft denn der Winterdienst in Woltersdorf ab? Ob da an die Fußgänger gedacht wurde? Am 20. Januar werden Schusters Rappen gesattelt und los gehts. Die Teststrecke ist das Karree Rüdersdorfer Straße, Fährweg, Meisensteg, Hochstraße, Am Stolp und endet wieder auf der Rüdersdorfer Straße.



Ruedersdorfer Str

Glatt, es beginnt damit, dass ich sofort auf der Rüdersdorfer Straße ins Schleudern komme und zwischen Eis und Pfützen hin und her hüpfen muss. Der Bürgersteig ist dick vereist, von Sand oder Salz nichts zu sehen. Hier ist in diesem Winter noch keiner lang gekommen.




Ruedersdorfer Str

Weiter zieht sich der Fußweg innerhalb der Rüdersdorfer Straße, Richtung Fährweg auf einer Anhöhe. Auch hier ist nichts geschehen, was man auch nur im Ansatz als Winterdienst bezeichnen kann. Mühsam, mich an den Zäunen der anliegenden Grundstücke festhaltend rutsche ich weiter.




Faehrweg

Endlich habe ich dieses knochenbrecherische Stück bewältigt und stehe am Beginn der Straße Fährweg, was ich sehe lässt Angst in mir aufsteigen. Es wird noch schlimmer, eine spiegelglatte, lebensfeindliche Eiswüste liegt vor mir. Wie soll ich die wohl bewältigen? Wieder geht's mit Festkrallen an den Zäunen der Anwohner weiter. Einmal liege ich flach, selbst mit Zaun, die Anziehungskraft der Erde war stärker. Aufrappeln, weiter, irgendwo muss die Gemeinde doch gestreut haben. So geht's weiter bis zum Meisensteg.



Meisensteg

Man soll sich nie zu früh freuen, der Meisensteg sieht aus wie die Oberfläche eines vereisten Planeten, nur ab und zu durchfurchen tiefe Pfützen die erstarrte Oberfläche. Wieder das gleiche Spiel, ich muss mich an Zäunen festhalten und langsam die Straße entlang rutschen. Der Meisensteg muss dem Streudienst von Woltersdorf völlig unbekannt sein. Oder, kann es sein, dass die Gemeinde ihre Straßen nicht streuen darf? Ja dann.



Treppe

Nun kommt die Treppe vom Meisensteg zur Hochstraße. Gott sei es gedankt, hier hat jemand ganz pingelig die Treppe gereinigt. Eine Anwohnerin erzählt mir, dass sich die Gemeinde darum kümmert, um sonst nichts. Sie scheint wohl Recht zu haben, wenn ich mir so die anderen Straßen ansehe. Möglich ist es aber, die Straßen passierbar zu machen, das beweist die Treppe eindeutig.



Hochstrasse

Das war es aber schon gewesen, die Hochstraße beginnt wie der Meisensteg. Eis so weit das Auge reicht von Sand oder Salz keine Spur. Überall riesige Pfützen, trocken kommt man hier nicht durch. Auch das ist eine Straße, die im Atlas der Woltersdorfer Gemeindevertreter nicht existiert.




Pfuetze

Mitten auf der Straße ein See, von der äußersten rechten bis zur äußersten linken Seite der Straße. Schwimmflossen müsste man haben oder Vogel sein. Hier ist im Laufe der Jahre ein Krater entstanden, der nie beseitigt wurde. Wozu auch, das kostet Geld und das braucht man besser für andere Dinge. Wie die Anwohner und andere Fußgänger dort von einem Ufer zum anderen kommen sollen, was geht es die Gemeindevertretung an.

Es lohnt sich nicht, noch weitere Fotos zu machen. Überall das gleiche Bild, nichts gemacht, kein Sand - kein Salz. Kein Winterdienst hat sich hier sehen lassen. So sehe ich zu, dass ich die Steigung "Am Stolp" heil überstehe. Auch hier geht es nur mit Hangeln an den Zäunen weiter. Endlich bin ich wieder in der Rüdersdorfer Straße, noch einige Eisberge und Pfützen und das Abenteuer, "Spaziergang in Woltersdorf" ist mit nur einem Sturz und ohne Knochenbruch überstanden.



Rathaus

Bei einer Tasse Kaffee frage ich mich, leiden eigentlich der Bürgermeister, seine Gemeindevertreter und Angestellten auch so unter den widrigen Witterungsverhältnissen? Also hin zum Rathaus und nachschauen, wie es dort aussieht. Ja, da trifft mich doch glatt der Schlag, da hat die Gemeinde gehörig geputzt. Die brauchen nicht mal Sand und Salz, da ist der Boden wie geleckt. Da sieht man deutlich, es geht doch. Warum aber nur beim Bürgermeister und seinen Ordnungshütern. Haben die Angst, dass Herr Höhne und seine Kollegen auf ihrem Allerwertesten landen? Sind die was Besseres als der Rest der Bevölkerung? Die anderen, bei denen nichts gemacht wurde, die zahlen doch auch Steuern und Abgaben. Warum geben die Gemeindevertreter die Gelder nur für sich aus und nichts davon für die, die sie zahlen müssen? Müsste da nicht das Ordnungsamt Woltersdorf eine Anzeige gegen sich selber stellen?

Nachtrag: Die Story über die Treppenreinigung hat die Anwohnerin wohl erfunden, weil sie sich für die Untätigkeit der Gemeinde schämte. Über mehrere Tage habe ich nun beobachtet, dass ein Anrainer der Treppe, diese ehrenamtlich putzt. Von der Gemeinde, wie fast überall keine Spur. Ein anderer berichtete, die kommen nie, nur wenn was passiert, ja dann sind sie da mit Vorschriften und Ordnungsstrafen.

Der gleiche Strecke, einige Monate später, Sommerspaziergang in Woltersdorf

Bernd Wohlers  21.Januar 2009



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